Der rasche Faktencheck

Aussagen der IG Metall zur Tarifrunde 2016 in der Metall- und Elektro-Industrie kritisch beleuchtet.

Eine Information der ME-Arbeitgeber

Angebo

Abgehobene Aussagen:

„Das Angebot ist das niedrigste, das die IG Metall je bekommen hat.“

Jörg Hofmann in Südwestpresse

tshöhe

Boden der Tatsachen:

Das ist objektiv falsch. 1994 wurden 0 Prozent geboten, 1995, 1997 und 2010 wurden keine bezifferten Angebote vorgelegt, 2004 wurden für die ersten 15 Monate 1,2 Prozent geboten.

Produk

Abgehobene Aussagen:

„Es ist richtig, dass die Produktivität der Gesamtwirtschaft um 0,6 Prozent gestiegen ist, aber im produzierenden Gewerbe fällt sie deutlich höher aus.“

Jörg Hofmann in Südwestpresse

tivität

Boden der Tatsachen:

Die Produktivität in der M+E-Industrie ist 2015 gar nicht gestiegen (Jan. bis Nov. -0,1 Prozent).

  • 2014 lag der Zuwachs gerade einmal bei 1,3 Prozent, 2013 (-0,7 Prozent) und 2012 (-1,9 Prozent) ist sie sogar gesunken (Statistisches Bundesamt).
  • Seit 2008 liegt das Gesamtplus gerade einmal bei 2 Prozent, das Lohnplus jedoch bei 20 Prozent - macht einen Anstieg der Lohnstückkosten von rund 18 Prozent.
  • Außerdem hat die IG Metall selber immer erklärt, die gesamtwirtschaftliche Produktivität der Maßstab für Tariferhöhungen heranzuziehen.
Inflatio

Abgehobene Aussagen:

„Die IG Metall hat sich immer an der Zielinflationsrate der Europäischen Zentralbank orientiert.“

Jörg Hofmann in Südwestpresse

nsrate

Boden der Tatsachen:

Das ist objektiv falsch. Die „Zielinflationsrate“ ist 2013 aufgetaucht - zufälligerweise nachdem die reale Teuerung gesunken ist.

Arbeits

Abgehobene Aussagen:

„wir stellen fest, dass auch bei den Zulieferern zurückverlagert wird“

Jörg Hofmann in Südwestpresse

plätze

Boden der Tatsachen:

Wäre spannend, dafür aktuelle Belege zu sehen. Wir können hier keinen Trend erkennen…

Unternehm

Abgehobene Aussagen:

Die IG Metall listet Kennzahlen verschiedener Aktiengesellschaften auf und versucht damit den Eindruck zu erwecken, dass es den Unternehmen der Branche durchweg gut geht.

IGM zur Tarifrunde

enszahlen

Boden der Tatsachen:

Für die Tarifrunde besagt das selbstverständlich: Nicht das Geringste.

  • Denn zum einen ist nur ein Bruchteil der 24.000 M+E-Unternehmen eine große Aktiengesellschaft und nach wie vor macht ein Viertel aller Unternehmen Verluste oder schreibt maximal eine schwarze Null.
  • Die Tarifpolitik an den wenigen Spitzenverdienern zu orientieren ist so, als würden sämtliche Arbeitnehmer bei der Einkommensteuer den Spitzensteuersatz zahlen müssen.
  • Gänzlich unredlich wird die Auflistung, wenn die IG Metall kurzerhand unter den Tisch fallen lässt, dass in vielen der genannten Unternehmen üppige Gewinnbeteiligungen an die Mitarbeiter ausgeschüttet werden.
Provo

IG Metall - Völlig abgehoben:

Die IG Metall bezeichnet das Angebot der Arbeitgeber als „historisch niedrig“ und nennt es eine „Provokation“.

IGM zur Tarifrunde

kation

Boden der Tatsachen:

Die erste Aussage ist zwar sachlich falsch (aber das nur nebenbei), richtig ist aber, dass die Summe aus gesamtwirtschaftlichem Produktivitätswachstum und tatsächlicher Inflation sich auf einem historischen Tief bewegt – und die Forderung deshalb so viel heiße Luft enthält wie selten zuvor.

  • Gemessen an den tatsächlichen Rahmendaten ist sie um 90 Prozent mit heißer Luft aufgeblasen – höher war der Wert nur mitten in der Finanzkrise 2009.
  • Und das Angebot als „Provokation“ zu bezeichnen, gehört völlig unabhängig von den Inhalten zum anscheinend unverzichtbaren gewerkschaftlichen Reflex. Siehe auch: 2008: „Was die Metallarbeitgeber jetzt auf den Tisch gelegt haben, ist eine Provokation der Beschäftigten“; 2012: „Damit provoziert Südwestmetall einen massiven Arbeitskonflikt in der prosperierenden Metall- und Elektroindustrie. Es ist eine Missachtung der Leistung der Beschäftigten“; 2013: „Das Angebot ist Nährboden für den Konflikt“; 2015: „Die Beschäftigten machen den Arbeitgebern unmissverständlich klar, dass sie ihr Angebot als Provokation empfinden“
Hohe

Abgehobene Aussagen:

„Hohe Renditen in der Metall- und Elektroindustrie: Die Unternehmen verdienen gut. Sie können sich Lohnerhöhungen leisten.“

IGM zur Tarifrunde

Renditen

Boden der Tatsachen:

Es ist erfreulich, dass die IG Metall unsere Veröffentlichungen genau studiert. Es wäre noch erfreulicher, wenn sie daraus nicht nur das liest, was sie lesen will.

  • Die Grafik zeigt erstens, dass die Gewinne sinken – sollen die Löhne sich das zum Vorbild nehmen?
  • Wenn zweitens von 100 Euro Umsatz gerade einmal 3,6 Euro übrig bleiben, ist das im internationalen Vergleich alles andere als eine „hohe Rendite“. Nur zum Vergleich: Bei Apple liegt sie bei über 20 Prozent.
  • Und drittens und entscheidend: Der Durchschnitt hilft nicht wirklich weiter. 15 Prozent aller M+E-Unternehmen melden laut ifo-Institut Verluste, weitere 11 Prozent kommen auf eine Rendite zwischen 0 und 1 Prozent – damit liegt ein Viertel aller Unternehmen bestenfalls bei einer schwarzen Null. Ein Tarifabschluss muss aber für alle Betriebe verkraftbar sein und darf sich nicht an den wenigen Ausnahmen nach oben orientieren – zumal die Betriebe, denen es besonders gut geht, meist auch entsprechende Sonderprämien zahlen.
Arbeitsplatz

Abgehobene Aussagen:

„Hohe Auslastung und steigende Beschäftigung in der MuE-Industrie. Auch die MuE-Industrie wächst stabil: Die Auslastund bleibt hoch. Die Unternehmen bauen Beschäftigung auf.“

IGM zur Tarifrunde

aufbau

Boden der Tatsachen:

Wenn Arbeitsplätze abgebaut werden, wäre das aus Sicht der IG Metall also Grund dafür, die Löhne spürbar zu senken? Gut zu wissen.

Wach

Abgehobene Aussagen:

„Stabiles Wachstum 2015 und 2016: Alle Forschungsinstitute gehen für 2016 von einem stabilen Wirtschaftswachstum aus.“

IGM zur Tarifrunde

stum

Boden der Tatsachen:

Ein Plus von 1,8 Prozent ist für die IG Metall ein „stabiler Wachstumskurs“? Das gilt dann sicher auch für die Löhne, nicht nur für das Wirtschaftswachstum? Gut zu wissen.

Binnen

Abgehobene Aussagen:

„Konsum ist Wachstumsmotor. Binnennachfrage trägt die Konjunktur.“

IGM zur Tarifrunde

nachfrage

Boden der Tatsachen:

Und das zeigt ausgezeichnet, dass die Binnennachfrage der Metall-Industrie herzlich wenig nutzt:

  • Wir machen keine Currywürste, sondern Maschinen.
  • Die Zahl Handwerker, die sich eine Fräsmaschine in die Garage stellen, ist ziemlich begrenzt.
  • Ohne Export keine Arbeit. Früher wusste auch die IG Metall, dass beide Standbeine wichtig sind: „Wir wollen mit unserer Tarifpolitik dazu beitragen, dass beide Beine der Wirtschaft, Export und Binnennachfrage, gestärkt werden“, hatte der damalige 1. Vorsitzende, Berthold Huber, 2008 gesagt.
Wach

Abgehobene Aussagen:

"Sicher gibt es auch Risiken. Aber im Moment spricht vieles dafür, dass die Wirtschaft weiter wachsen wird"

Stefan Schaumburg, IG Metall-Vorstand

stum

Boden der Tatsachen:

Der Sachverständigenrat geht von einem Wachstum der gesamten Wirtschaft von gerade einmal 1,6 Prozent für 2016 aus.

  • Dabei liegen die Aussichten für die Metall- und Elektro-Industrie noch einmal deutlich darunter: Mehr als 1 Prozent Zuwachs ist nicht drin, so die Konjunkturexperten.
Tarif

Abgehobene Aussagen:

"Deshalb verfolgen wir in dieser Tarifrunde neben einer fairen Beteiligung der Beschäftigten am wirtschaftlichen Fortschritt das Ziel, die Tarifbindung wieder zu steigern."

Jörg Hofmann, 1. Vorsitzender

bindung

Boden der Tatsachen:

Wenn die IG Metall die Tarifbindung erhöhen will, ist das in unserem Sinne. Das geht aber nicht mit der Brechstange.

  • Die Tarifbindung ist freiwillig. Die bislang aufgerufenen Vorstellungen werden jedenfalls die Tarifbindung nicht erhöhen.
Aussichten

Abgehobene Aussagen:

„Alle Prognosen gehen für 2016 von unverändert kräftigem Wachstum aus, auch die Inflationsrate soll demnach wieder 1,6 Prozent erreichen.“

Hartmut Meine, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 30.12.2015

2016

Boden der Tatsachen:

Für die M+E-Industrie ist nach einem mageren Wachstum in 2015 von maximal 1 Prozent, auch für 2016 im optimistischen Fall nur mit 1 Prozent Wachstum zu rechnen.

  • Die gesamte Wirtschaft ist 2015 um 1,7 Prozent gewachsen, der Sachverständigenrat geht von 1,6 Prozent in 2016 aus.
  • Die gewerkschaftseigenen Volkswirte des IMK rechnen mit einem nur geringfügig höheren BIP-Wachstum – sie kommen auf 1,8 Prozent. Wenn 1,6 Prozent für die IG Metall ein „kräftiges Wachstum“ ist, könnte die Tarifrunde schneller verlaufen als erwartet.
  • Für die Verbraucherpreise erwartet der Sachverständigenrat ein Plus von 1,2 Prozent, DIW und IMK liegen mit ihrer Prognose von 1,1 Prozent noch darunter.
Produk

Abgehobene Aussagen:

„Und die Produktivität hat durchaus spürbar zugelegt.“

Hartmut Meine, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 30.12.2015

tivität

Boden der Tatsachen:

Das ist wohl eher eine gefühlte Wahrheit, keine Tatsache. Und mit dem Gefühl ist es ja so eine Sache, wie schon Loriot wusste (s.r.). Die Produktion in der Metall- und Elektro-Industrie ist im vergangenen Jahr preisbereinigt nur um 0,6 Prozent gewachsen. Damit ist die Industrie deutlich unter der Gesamtwirtschaft geblieben, die 2015 um 1,7 Prozent zugelegt hat.

  • Für dieses Jahr rechnet der Sachverständigenrat mit 0,6 Prozent.
  • Das nicht übermäßig arbeitgebernahe Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht sogar nur von 0,5 Prozent aus.
Differen

Abgehobene Aussagen:

„Mehr als die Hälfte (51,4%) der Betriebe bewertet die Auftragslage aktuell als sehr gut oder gut, knapp ein Drittel (31,2%) als stabil und deutlich weniger als ein Fünftel (17,4%) als schlecht oder sehr schlecht. Über elf Prozent der Betriebe rechnen hier in den kommenden Monaten mit einer Verbesserung und fast 74 Prozent mit einer unveränderten Lage, während nur gut 14 Prozent eine Verschlechterung erwarten.“

Flugblatt der IG Metall Bayern

zierung

Boden der Tatsachen:

Erfreulich, dass selbst die IG Metall erkennt, wie höchst unterschiedlich die Lage in den Betrieben ist. Ein Flächentarif muss für alle tragbar sein – entsprechend vorsichtig gilt es zu handeln.

  • Unternehmen, die ein überdurchschnittlich erfolgreiches Jahr haben, gelten das oft freiwillig mit entsprechend hohen Sonderprämien ab. Dies würde auch dem eigentlichen Grundsatz der Tarifverträge entsprechen – nämlich Mindestbedingungen zu regeln.
  • Wenn das schon nicht möglich ist, brauchen wir dringend betriebliche Differenzierungsmöglichkeiten.
Binnen

Abgehobene Aussagen:

„Höhere Einkommen stärken die Binnennachfrage und sind eine Frage der Gerechtigkeit.“

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender IG Metall, in Hannover

nachfrage

Boden der Tatsachen:

Die Metall- und Elektro-Industrie ist auf den Weltmarkt angewiesen – von der Binnennachfrage allein können die Unternehmen nicht leben. Unserer Industrie hilft der Konsum kaum – denn 80 Prozent der M+E-Produkte sind Investitionsgüter und keine Konsumgüter. Fast 60 Prozent des Umsatzes wird im Ausland erzielt.

  • Jede Kostenerhöhung verschlechtert die Position im Vergleich zu den Wettbewerbern.
  • Gerade die Gewerkschaften haben uns in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen, einseitig auf den Export zu setzen, und darauf hingewiesen, dass ein sicheres Wachstum auf zwei Säulen basieren müsse: dem Export und dem privaten Konsum.
  • Nun ist es die IG Metall, die eine Säule der internationalen Wettbewerbsfähigkeit ignoriert – und die will, dass die M+E-Industrie einen Marathon auf einem Bein läuft und gewinnt.
  • Und die Beschäftigten haben bei den vergangenen Tarifabschlüssen ein kräftiges Plus erhalten – nominal wie real. Das ging zu Lasten der Unternehmen, denn den rund 20 Prozent Zuwachs bei den Tarifabschlüssen seit der Krise 2008/2009 steht gerade einmal ein Produktivitätsgewinn von 2 Prozent gegenüber.
Zielin

Abgehobene Aussagen:

„Erwartete Produktivität: + 1,5%,

Zielinflationsrate der EZB: 2%

Umverteilungskomponente: ? %“

Flugblatt der IG Metall Niedersachsen

flation

Boden der Tatsachen:

Erwartetes Produktivitätswachstum 2016: + 0,5% laut DIW

Inflationsrate Januar 2016: + 0,5 % gegenüber Januar 2015

  • Nimmt man die IG Metall beim Wort und legt ihre eigenen Maßstäbe an – Verteilungsspielraum gleich Produktivität – so haben die Mitarbeiter in den vergangenen vier Jahren 7,6 Prozent zu viel erhalten.
Konsum

Abgehobene Aussagen:

„...Entgelterhöhung, um damit die Inlandsnachfrage zu stützen und die Konjunktur zu stabilisieren“

Flugblatt der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen

stärken

Boden der Tatsachen:

Berthold Huber, der frühere 1. Vorsitzende der IG Metall, sah das noch anders: „Wir wollen mit unserer Tarifpolitik dazu beitragen, dass beide Beine der Wirtschaft, Export und Binnennachfrage, gestärkt werden.“

  • Abgesehen davon geben die Menschen ihr Geld nicht einfach in Folge höherer Abschlüsse aus, sondern dann, wenn sie keine Sorge um ihren Arbeitsplatz haben.
  • Wir können uns freuen, in Deutschland eine Rekordbeschäftigung zu haben. Umso wichtiger ist es, das auch zu halten und nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen!
Gew

Abgehobene Aussagen:

„Die Unternehmen verdienen gut.“

inne

Boden der Tatsachen:

Nicht wirklich. Im Durchschnitt blieben den M+E-Unternehmen in den letzten Jahren von 100 Euro Umsatz etwa 3 Euro Gewinn nach Steuern.

  • In den vergangenen drei bis vier Jahren lag er etwas höher, aber noch unter dem Niveau des Vorkrisenjahres 2007. Zum Vergleich: Die Umsatzrendite von Apple liegt bei über 20 Prozent.
  • Selbst dieser Durchschnitt täuscht. Tatsächlich machen 26 Prozent aller M+E-Unternehmen Verluste oder schreiben gerade so eine schwarze Null.
Lohnzu

Abgehobene Aussagen:

„Beschäftigte am Erfolg beteiligen“

wächse

Boden der Tatsachen:

Seit der Finanzkrise sind die Tarifeinkommen bei M+E um 20 Prozent gestiegen. Die Produktivität aber nur um 2 Prozent.

Lohnzurü

Abgehobene Aussagen:

„Dafür gab es lange Lohnzurückhaltung!“

ckhaltung

Boden der Tatsachen:

Eine beliebte, aber deshalb nicht wahre Legende. In der M+E-Industrie hat es nie eine Zurückhaltung gegeben. Oder in den Worten des früheren IG-Metall-Vorsitzenden Detlef Wetzel: „Wir haben mit den Metall-Abschlüssen keine Lohnzurückhaltung geübt, sondern den verteilungsneutralen Spielraum seit der Jahrtausendwende mehr als ausgeschöpft.“ Berliner Zeitung, 16.2.2013